Wie kann die Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung in verschiedenen Wohnformen im Alter gefördert werden – dieser Fragestellung geht die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) in Münster mit dem Projekt MUTIG nach.

Das Bild zeigt einen älteren Herrn mit geistiger Behinderung bei einem Workshop der KatHO NRW zum Thema gesellschaftliche Teilhabe im Alter.
Ältere Menschen mit geistiger Behinderung schildern im Workshop was Teilhabe im Alltag für sie bedeutet (Bild: Andre Zelck)

Menschen mit geistiger Behinderung stehen im Alter vor besonderen Herausforderungen: Kritische Lebensereignisse wie der Tod der Eltern, der Übergang aus dem Arbeitsleben in den Ruhestand oder das Nachlassen körperlicher Kräfte verändern ihre Lebenssituation und damit ihren Unterstützungsbedarf. Professionelle Dienste und Einrichtungen der Behindertenhilfe haben sich bislang nur unzureichend auf die sich verändernden Lebenssituationen dieser Menschen eingestellt. Ziel des Projekts der KatHO NRW Münster ist es, innovative Konzepte zu entwickeln, die Menschen mit geistiger Behinderung dabei unterstützen, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Das Forschungsteam um den Psychologen Friedrich Dieckmann und die Heilpädagogikprofessorin Sabine Schäper untersucht im Projekt MUTIG zunächst, wo, mit wem und in welchen Wohnformen ältere Menschen mit geistiger Behinderung heute wohnen und aus welchen Gründen Mitglieder dieser Personengruppe wohin umziehen. Gleichzeitig wollen die Forscher herausarbeiten, welche sozialrechtlichen und strukturellen Spielräume bzw. Barrieren es gibt, wenn es darum geht, die Unterstützung in verschiedenen Wohnformen personenzentriert anzupassen. Im dritten Schritt ist vorgesehen, drei innovative Projekte im In- und Ausland zu identifizieren, zu evaluieren und die Übertragbarkeit gelungener Praxis zu prüfen.

Das Projektteam arbeitet mit allen Interessensgruppen zusammen: Allen voran mit den Betroffenen selbst; aber auch Anbieter der Behindertenhilfe sowie Leistungsträger werden eingebunden. Projekt-partner sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Landesverband Lebenshilfe NRW. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse sollen Modelle der Unterstützung für das Wohnen im Alter allein bzw. zu zweit, in Wohngemeinschaften oder in gemeindeintegrierten Wohnheimen erarbeitet werden. Die Modelle sollen die Teilhabe sichern, aber auch organisierbar und finanziell tragfähig sein.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderlinie „SILQUA-FH" des Programms „Forschung an Fachhochschulen" mit rund 390.000 Euro.