Jedes Jahr vernichten Schimmelpilze etwa ein Viertel der weltweiten Lebensmittelernte. An der Hochschule Neubrandenburg entwickelt ein Forscherteam nun ein neuartiges Pflanzenschutzmittel auf Basis eines natürlichen Wirkstoffs.

Das Bild zeigt das Nachwuchsforschungsteam des Projekts OxiLiFungi (v.l.n.r.): Tidjani Cisse, Jennifer Caesar, Zhanar Sadykova, Fabien Schultz, Daniel Helmholz, Ngugen Phuong Ahn.
Das Nachwuchsforschungsteam des Projekts OxiLiFungi (v.l.n.r.): Tidjani Cisse, Jennifer Caesar, Zhanar Sadykova, Fabien Schultz, Daniel Helmholz, Ngugen Phuong Ahn (Bild: Ralf Ströde).

Schimmelpilze gedeihen nicht nur auf Lebensmitteln im Kühlschrank. Sie können bereits die wachsende Pflanze auf dem Feld befallen oder sich bei der Lagerung  oder der Verarbeitung des Ernteguts bilden. Für die Landwirtschaft ist das ein großes Problem. Denn Schimmelpilze enthalten Giftstoffe, die bei der Nahrungsmittelproduktion nicht zerstört werden. Bei Mensch und Tier rufen selbst geringe Mengen dieser Mykotoxine gesundheitliche Schäden hervor: Sie können Allergien auslösen und in einigen Fällen sogar das zentrale Nervensystem angreifen, das Immunsystem schwächen sowie krebserregend und erbgutschädigend sein.

An der Hochschule Neubrandenburg hat sich eine interdisziplinäre Forschergruppe zur Aufgabe gemacht, den gesundheitlichen Schutz von Mensch und Tier vor Schimmelpilzen zu verbessern. Unter der Leitung von Leif-Alexander Garbe, Karl Steffens und Gerhard Flick werden im Projekt OxiLiFungi unter Laborbedingungen natürliche Pflanzenschutzmittel (Fungizide) zur Anwendung auf dem Feld wie auch für die Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln hergestellt.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen natürliche Fettsäuren, insbesondere der Inhaltsstoff Trihydoxy-octadecensäure (TriOH), den einige Pflanzen zur Abwehr von Schadorganismen produzieren. Im Projekt werden zunächst unterschiedliche Varianten von TriOH hergestellt und auf ihre pilzhemmende Wirkung hin untersucht. Dies erfolgt zunächst unter Laborbedingungen. Für erfolgversprechende Varianten werden Verfahren zur Serienherstellung entwickelt, die anschließend in Feldversuchen getestet werden können.

In der Landwirtschaft werden heute viele synthetische Fungizide eingesetzt, die in höheren Konzentrationen ein Gesundheits- und Umweltrisiko darstellen können. Die Entwicklung natürlicher Fungizide trägt dazu bei, die Belastung von Umwelt und Verbrauchern mit chemischen Fungiziden zu verringern, ohne dabei auf den effektiven Schutz vor Pilzbefall zu verzichten. Dieses ist insbesondere für ökologische Betriebe und den Einsatz in Biolebensmitteln von großer Bedeutung.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderlinie „IngenieurNachwuchs“ des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ mit rund einer Million Euro.