Trotz großer Fortschritte können Hörgeräte das menschliche Hörvermögen nicht vollständig ersetzen. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes werden Hörhilfen entwickelt, die sich der Hörabsicht des Trägers anpassen.

Das Bild zeigt eine Probandin mit einer Sensoren-Kappe, die vor mehreren Lautsprechern sitzt, die im Halbkreis angeordnet sind.
Eine spezielle Sensoren-Kappe ermittelt die Spannungsschwankungen auf der Kopfoberfläche und damit die Hörabsicht der Probandin. (Bild: SNN-Unit, htw saar)

Über drei Millionen Menschen in Deutschland sind auf technische Hörhilfen angewiesen. Ohne diese sind die Betroffenen im Alltag stark eingeschränkt und leiden häufig unter sozialer Isolation. Hörgeräte sind dabei längst mehr als reine Verstärker. Sie können das menschliche Hörvermögen immer besser nachbilden, jedoch versagen sie in Situationen mit einem hohen Geräuschpegel. Der Träger kann etwa sein Gegenüber bei starken Hintergrundgeräuschen nicht mehr verstehen. Man spricht daher auch vom Cocktailparty-Effekt.

Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Daniel J. Strauss an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes will deshalb Hörgeräte entwickeln, die sich nicht nur dynamisch an die akustische Umwelt, sondern auch an die willentliche Hörabsicht des Trägers anpassen. Dafür soll zunächst eine aufmerksamkeitskontrollierte Gehirn-Mikrofon-Schnittstelle als Entwicklungsplattform für diese neuartigen Hörsysteme realisiert werden. Die Forscherinnen und Forscher messen dafür die Spannungsschwankungen auf der Kopfoberfläche eines Probanden. Mit speziellen Techniken der Signalverarbeitung werden diese Informationen dann so weiterverarbeitet, dass sie für die Steuerung eines Richtmikrofons genutzt werden können, um sich etwa auf einen einzelnen Gesprächspartner zu konzentrieren.

Ein unabhängiges Mikrofon analysiert parallel die akustische Umwelt und kann bei Bedarf in die Steuerung eingreifen. Dieser kombinierte Ansatz verhindert etwa ein Überhören von Warnsignalen. Ziel ist es, die bewussten und unbewussten Prozesse der Aufmerksamkeit beim richtungsabhängigen Hören möglichst gut nachzubilden. In einem nächsten Schritt soll mit Partnern aus Industrie und Forschung die Technik verkleinert und in Hörsysteme integriert werden, um die Lebensqualität schwerhöriger Menschen zu verbessern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderlinie „IngenieurNachwuchs“ des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ mit rund 432.000 Euro.