Wege aus der sozialen Isolation im Alter aufzeigen – Forscher untersuchen, wie ältere Menschen durch Computerkurse sozial integriert werden. Das Projekt CONNECT-ED wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Mehrere Seniorinnen und Senioren sitzen in einem Einführungskurs für Tablets um einen langen, hölzernen Tisch herum und helfen sich gegenseitig bei der Arbeit mit den Tablets.
Seniorinnen und Senioren aus Kiel lernen in einem Tablet-Kurs, wie sie Kontakte aufbauen und pflegen. Dabei bildet sich auch ein soziales Netzwerk im Kurs selbst (Bild: Fachhochschule Kiel).

Kaffee, Kuchen, Internet. Für die Seniorinnen und Senioren in den Tablet-Kursen des Kieler Forschungsprojekts „CONNECT-ED“ passt das gut zusammen. In Kleingruppen bis zu zehn Teilnehmenden lernen sie, wie sie im Internet Informationen über Suchmaschinen finden oder wie E-Mails mit Fotos verschickt werden. Hier wird alles erklärt, etwa was in der Tagesschau mit „mehr Informationen auf unserer App“ gemeint ist. Die Lerninhalte werden auf die Teilnehmenden abgestimmt, das Konzept anhand der Forschung weiterentwickelt. Geleitet werden die Kurse von Studierenden der Fachhochschule Kiel.

Soziale Teilhabe durch gemeinsames Lernen

Von dem kostenfreien Kursangebot mit Tablets erfahren die Menschen ab 65 Jahren zum Beispiel durch Pflegedienste, Ärzte oder Apotheker. Die Nachfrage ist groß. Insgesamt haben seit Mai 2017 bereits 60 Seniorinnen und Senioren aus verschiedenen Kulturkreisen an den Schulungen in Kiel teilgenommen. Im Frühjahr 2018 startet die Initiative in zwei ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins. Als Praxispartner engagieren sich das Institut für Genderforschung (IGD) der FH Kiel, die AWO Kiel e.V., die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., die Jüdische Gemeinde Kiel und Region e.V., die Howe-Fiedler-Stiftung Kiel, der Landesseniorenrat sowie der Verein SeniorenNet Kiel.


Im Alter lässt das Sehen, das Hören und die Beweglichkeit nach. Viele Menschen verlassen nur noch selten ihre Wohnung und vereinsamen. Ziel des Projekts ist es, ein Konzept zu entwickeln, um ältere Menschen an digitale Informationsangebote heranzuführen und dabei zu unterstützen, soziale Netzwerke aufzubauen. Damit kann die Autonomie auch im Wohnumfeld gestärkt werden. Die Verhaltensänderungen der Teilnehmer in den Kursen werden von den Forschern ausgewertet. Wenn sich zum Beispiel ältere Teilnehmerinnen verabreden, um selbstständig das Tablet-Angebot im Elektronikfachhandel zu erkunden, dann ist das Selbstvertrauen gestiegen, neue Herausforderungen anzugehen. Dafür reicht es nicht, nur einen Kurs anzubieten. In moderierten „freien Treffen“ wird das Gelernte zusammen geübt. Wie niedrigschwellige Medienbildungsangebote konzipiert und betreut sein müssen, um soziale Netzwerke aufzubauen, wird Ergebnis dieses Projekts sein. Mithilfe eines Online-Handbuchs wird es auch Praxispartnern in anderen Regionen ermöglicht, das Konzept umzusetzen.


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt CONNECT-ED in der Förderlinie SILQUA-FH im Rahmen des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ mit rund 360.000 Euro.