FH-Impulspartnerschaft ruhrvalley

ruhrvalley: Mobility and Energy for Metropolitan Change

 

Logo der FH-Impulspartnerschaft ruhrvalley
Partnerschaftslogo (Bild: Fachhochschule Dortmund)

Zur Forschungspartnerschaft ruhrvalley haben sich die Fachhochschule Dortmund (Projektkoordination), die Hochschule Bochum und die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen mit zahlreichen Unternehmen zusammengeschlossen. Ziel der Partnerschaft ist es, umsetzbare Lösungen zu entwickeln, um Mobilität und Energie unter den spezifischen Bedingungen von Metropolregionen – wie denen des Ruhrgebiets – bereitzustellen. So soll eine international sichtbare Kompetenzführerschaft mit Strahlkraft im Bereich der Lösungen für Metropolregionen etabliert werden.

Das Forschungsprofil der Partnerschaft erstreckt sich von der Informations- und Kommunikationstechnik für eingebettete und cyber-physische Systeme über die IT-Sicherheit, die Elektromobilität, die Geothermie und die Energiesystemtechnik bis hin zu den relevanten Teilbereichen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, insbesondere der angewandten Innovationsforschung.

Die geplanten Forschungsvorhaben adressieren z. B. die Realisierung des öffentlichen Nahverkehrs durch Elektromobilität, die Bereitstellung von Fernwärme durch Geothermie sowie die Etablierung von Prüfverfahren und Testumgebungen für die Fahrzeugentwicklung. Im Ergebnis sollen neue systemtechnische Produkte und Dienstleistungen geschaffen werden. Darüber hinaus sollen in der Region Wertschöpfungsnetze für deren Produktion und Vermarktung aufgebaut und wissensbasierte Unternehmensgründungen angestoßen werden.

Partnerschaftsportrait

Ressourcenschonende Energie- und Wärmeversorgung, zukunftsfähige Mobilitätskonzepte – dicht besiedelte Metropolen wie das Ruhrgebiet profitieren besonders von technologischen Innovationen in den Bereichen Energie und Mobilität. Denn sie helfen dabei, die Luft- und Lärmbelastung in den Ballungsräumen zu reduzieren und schaffen so mehr Lebensqualität für die Bürger. Die interdisziplinäre Forschungs- und Innovationspartnerschaft ruhrvalley hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Energie- und Mobilitätskonzepte für Metropolregionen zu entwickeln und umzusetzen. 

Weitwinkelaufnahme der Veranstaltungshalle mit Besuchern in der Akademie Mont-Cenis in Herne
ruhrvalley Veranstaltung in der Akademie Mont-Cenis in Herne (Bild: Andreas Molatta Fotografie)

Der Name der Partnerschaft erinnert nicht zufällig an das moderne Mekka der Informations-und Kommunikationstechnologien. Denn der Geist des frühen Silicon Valley prägt das Selbstverständnis der Partnerschaft: „Wir verstehen uns als Community aus engagierten Wissenschaftlern und Startups, die gemeinsam zukunftsfähige Technologien, Verfahren und Produkte für Metropolregionen in den Bereichen Energie und Mobilität erarbeiten“, sagt Carsten Wolff, Professor für Technische Informatik an der Fachhochschule Dortmund und Partnerschaftssprecher von ruhrvalley. „Unsere Vision ist es, das Ruhrgebiet weltweit als herausragenden Technologie- und Innovationsstandort zu etablieren. Damit wollen wir den Wandel der früheren Stahl- und Bergbauregion weiter vorantreiben.“

Dazu haben sich die Hochschule Bochum, die Fachhochschule Dortmund und die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen mit rund 20 jungen mittelständischen Unternehmen aus der Region zusammengeschlossen. Viele der beteiligten Firmen sind Spin Offs, die sich aus den Hochschulinstituten heraus gegründet haben. Die Geburtsstunde des ruhrvalley schlug im Sommer 2016, als das BMBF den Förderwettbewerb FH-Impuls, Starke Fachhochschulen – Impuls für die Region ausschrieb. Die Hochschulen blickten damals bereits auf eine enge Kooperation untereinander und mit ausgewählten Mittelständlern der Region zurück. So lag es nah, die Zusammenarbeit auszubauen und auch bei dieser Ausschreibung gemeinsam anzutreten. Mit Erfolg: ruhrvalley siegte beim Förderwettbewerb und sicherte sich die damit verbundene Fördersumme von 4,95 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Die Fördergelder investiert der Hochschul- und Unternehmensverbund gezielt in bedarfs- und anwendungsnahe Projekte. Der Fokus liegt dabei auf der Verknüpfung von erneuerbaren Energien und Elektromobilität mit innovativen Digitalisierungstechniken.

Große Vorteile für kleine Unternehmen
Zum Beispiel im ruhrvalley-Projekt NetLab – vernetztes Entwicklungs- und Prüflabor. Ziel dieses Projektes ist es, ein digitalisiertes, standortunabhängiges Prüfsystem für E-Fahrzeugkomponenten zu entwickeln. Dieses virtuelle Prüfsystem soll kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Automobilzuliefererindustrie dazu befähigen, von ihnen entwickelte, einzelne Fahrzeugteile im Gesamtsystem zu testen – ohne dafür eine komplexe physische Testanlage installieren zu müssen. Durch diese Innovation können KMU Zeit, Ressourcen und Kosten sparen und so ihre Wettbewerbsposition verbessern. Zur Veranschaulichung entwickelten die beteiligten ruhrvalley-Partner einen sogenannten Demonstrator – einen Prototypen des virtuellen Prüfsystems. Beteiligte Projektpartner sind außer den drei Hochschulen die Unternehmen Scienlab electronic systems GmbH, Auktora GmbH, XingSYS GmbH, Behr-Hella Thermocontrol GmbH und Voltavision GmbH.

Wenn Wärme intelligent wird
Ein weiteres Beispiel für die Arbeit von ruhrvalley ist das Projekt Smart Solar Geothermal Energy Grid Ruhr (GeoSmaGriR). Dabei geht es um die nachhaltige Nutzung von Wärme aus regenerativen Quellen wie Sonnenenergie und Geothermie. Ziel von GeoSmaGriR ist die Einbindung der nachhaltigen Wärmeversorgung in bestehende Infrastrukturen sowie die Bereitstellung von nutzerspezifischen Informationen und Steuerungsmöglichkeiten. Kurz: die Implementierung eines intelligenten Wärmeversorgungssystems, das Wärme aus erneuerbaren Quellen über bestehende Kanäle wie Fernwärmenetze genau dann liefert, wenn sie benötigt wird. Saisonal bedingte Überschusswärme soll dabei in Grubengebäuden des ehemaligen Steinkohlebergbaus eingespeichert werden. Bei Bedarf lässt sich die Wärme mittels Wärmepumpen wieder abziehen und in die Versorgungsysteme einspeisen. Projektpartner sind neben den drei Hochschulen die Unternehmen Geomecon GmbH und com2m GmbH.

Win-win-Situation für alle Beteiligten
Von diesen und vielen weiteren Projekten des ruhrvalley profitieren die beteiligten Hochschulen und Unternehmen, aber auch das gesamte Ruhrgebiet mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern. „Uns als Fachhochschule liegt naturgemäß viel daran, Forschung und Praxis eng miteinander zu verzahnen“, sagt Carsten Wolff. „ruhrvalley bietet dafür optimale Bedingungen. Die Ergebnisse, die sich aus der Hochschulforschung ergeben, lassen sich in den Unternehmen unmittelbar zu innovativen Produkten und Lösungen weiter entwickeln. Dieser Praxisbezug lockt natürlich auch Studierende an, denen wir über solche Kooperationen beste Bedingungen für eine praxisnahe Ausbildung bieten können“.

Und die Unternehmen? Sie profitieren vom intensiven Ideen- und Wissenstransfer mit den Hochschulen und der Einbindung engagierter Wissenschaftler und Nachwuchskräfte in ihre Entwicklungsprozesse. Die Symbiose zwischen Hochschulen und Unternehmen zahlt sich nicht zuletzt für die Metropolregion Ruhrgebiet aus: aus dem Verbund heraus gründen sich immer wieder neue Unternehmen, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die bestehenden Firmen wiederum bauen ihre Marktposition aus und sorgen damit ebenfalls für gesundes Wachstum in der Region.

Von den Innovationen in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität profitieren die Bürger des Ruhrgebiets auch ganz unmittelbar. Zum Beispiel durch die langfristig angestrebte Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs auf Elektromobilität, zu der die ruhrvalley-Gemeinschaft mit ihrer Arbeit entscheidend beiträgt. Oder durch die intelligente Nutzung nachhaltig erzeugter Wärme. Beides senkt die Schadstoffbelastung in der Luft, reduziert Lärm und trägt so zu einer besseren Lebensqualität im Revier bei.

Jenseits dieser greifbaren Vorteile leistet ruhrvalley noch etwas ganz Großes: die Etablierung des Ruhrgebiets als international anerkannter Technologie- und Innovationsstandort. So steigert ruhrvalley letztendlich die Strahlkraft der gesamten Region, was langfristig weitere innovative Unternehmen und engagierte Fachkräfte anziehen und das Wachstum des Reviers beflügeln wird – ganz im Geiste des Silicon Valley, das einst klein startete und heute das globale Zentrum für Informations-und Kommunikationstechnologien ist.

Drei Fragen an...

Bild von Prof. Dr.-Ing. Michael Schugt
Prof. Dr.-Ing. Michael Schugt
(Bild: Prof. Dr.-Ing. Michael
Schugt)

… Prof. Dr.-Ing. Michael Schugt, Vizepräsident für Forschung und Leiter des Instituts für Elektromobilität der Hochschule Bochum

Welche Bedeutung hat ruhrvalley für die beteiligten Hochschulen?
Mit ruhrvalley kommen die Hochschulen ihrer regionalen Verantwortung nach. Das Ruhrgebiet erlebt derzeit einen tiefgreifenden strukturellen Wandel, den wir im ruhrvalley aktiv gestalten. Wir fördern den Umbau des einstigen Industriestandorts hin zu einer florierenden Mittelstandsregion, indem wir unsere Forschungsarbeit eng mit der Praxis vernetzen. In den ruhrvalley-Projekten arbeiten Wissenschaftler und Unternehmer Hand in Hand. Dieser „Wissenstransfer über Köpfe“ ist das Herzstück des ruhrvalley und macht die Partnerschaft so fruchtbar und effizient.  

Wissenschaftliche Partner von ruhrvalley sind drei Fachhochschulen. Was zeichnet Forschung an Fachhochschulen aus?
Die Anwendungsorientierung. Wir betreiben keine Grundlagenforschung, sondern forschen an konkreten Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Wir pflegen den kurzen Draht zu den Unternehmen in der Region, um die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit direkt nutzbar zu machen.  

Welche Rolle spielt Elektromobilität in Nordrhein-Westfalen?
Elektromobilität ist die Antriebstechnologie der Zukunft. Das birgt große Chancen für den Wirtschaftsstandort NRW, der von einer florierenden Zulieferindustrie geprägt ist. Für diese Unternehmen gilt es nun, die mit der E-Mobilität verbundenen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen – seien es neue Verfahren, Produkte oder Prüfsysteme. Das gleiche gilt übrigens auch für andere innovative Technologien wie Geothermie oder Internet of Things. Kurz gesagt, geht es für die Unternehmen darum, sich neu entwickelnde Technologien rasch zu besetzen, egal in welchem Bereich. Genau dieser Spirit kennzeichnet ruhrvalley.

 

Bild von Stefanie Bengfort
Stefanie Bengfort 
(Bild: Stefanie Bengfort)

… Stefanie Bengfort, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Innovationsforschung und
-management (ifi) der Westfälischen Hochschule

Was bedeutet Innovation und wie trägt ruhrvalley dazu bei, Innovationen auf den Markt zu bringen?
Nicht jede Neuheit ist auch eine Innovation. Dazu muss ein neues Produkt, eine neue Technologie oder ein neues Verfahren ein Bedürfnis erfüllen. Erst durch dieses Matching wird eine Neuheit zur marktfähigen Innovation. Als Partner von ruhrvalley unterstützt das ifi Unternehmen dabei, Märkte und Bedarfe zu analysieren und Projekte so aufzusetzen, dass sie Innovationen hervorbringen.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Ein Beispiel ist das ruhrvalley-Projekt SiME, Systeminnovationen für Mobilität und Energie in der Metropole, an dem ich beteiligt bin. Bei diesem Forschungsprojekt geht es darum, den Innovationsprozess selbst zu optimieren. Dazu analysieren wir die verschiedenen erfolgskritischen Einflussfaktoren in Metropolregionen, identifizieren typische Umsetzungsbarrieren und entwickeln Möglichkeiten, um diese Barrieren zu überwinden. Die Ergebnisse unserer Arbeit erleichtern den Unternehmen der Region die punktgenaue Entwicklung und Einführung von Innovationen.

Was bringt Ihnen die Mitarbeit bei ruhrvalley persönlich?
Neben neuen Erkenntnissen und Erfahrungen vor allem viele belastbare Kontakte und ein breites, tragfähiges Netzwerk. Das hilft mir unter anderem bei meiner Dissertation, die ich ihm Rahmen von SiME angehe, und für die ich fachkundige, erfahrene Interviewpartner benötige. Davon gibt es im ruhrvalley sehr viele!

 

Bild von Dr. Martin Peters
Dr. Martin Peters 
(Bild: Dr. Martin Peters)

… Dr. Martin Peters, Geschäftsführer com2m GmbH

Sie sind Geschäftsführer von com2m. Was bietet Ihr Unternehmen?
com2m entwickelt digitale Lösungen für das Internet der Dinge (IoT). Ein Schwerpunkt ist dabei der Bereich Elektromobilität. Unsere Cloud-Plattformen liefern die digitale Basis für die Auswertung und das Management der im Rahmen von IoT-Anwendungen erfassten Daten.

Sie sind mit Ihrem Unternehmen Partner bei ruhrvalley. Warum?
Kooperationen sind für uns wichtig, um uns mit verschiedenen Fachbereichen zu vernetzen und so Synergien bei der Produktentwicklung und -einführung zu schaffen. Genau dieses breite, interdisziplinäre Netzwerk finden wir bei ruhrvalley. Hinzu kommt die Mitarbeit in Forschungsprojekten. Dabei können wir Ansätze verfolgen, die im Tagesgeschäft zu wenig Zeit und Raum bekommen und auch mit ungewöhnlichen Ideen experimentieren.

Wo liegen die Schnittstellten zwischen Elektromobilität und IoT?
In der Ladeinfrastruktur. Heute verkaufen Sie keine Ladestation mehr ohne die passende Cloud-Plattform. Denn die Nutzer möchten so bequem und einfach wie möglich laden und bezahlen, gern auch mit dem Smartphone. Die dafür nötige Technik liefern unsere digitalen Cloud-Plattformen. Sie sind online mit den Ladestationen verbunden. Alle Vorgänge an den verbundenen Ladesäulen werden zentral erfasst, zugeordnet und abgerechnet, auf Wunsch auch direkt per App über das Smartphone des Kunden.