Adaptives Smartphone-gestütztes Lernsystem zur Begleitung von Menschen mit kognitiver Beein-trächtigung in ihrem Lernprozess beim Wegetrai-ning im öffentlichen Raum (PAGAnInI)

Im Projekt PAGAnInI (Adaptives Smartphone-gestütztes Lernsystem zur Begleitung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in ihrem Lernprozess beim Wegetraining im öffentlichen Raum) entwickeln die FH Bielefeld, die v. B. Stiftungen Bethel und die Arbeiterwohlfahrt ein Lernsystem für kognitiv eingeschränkte Menschen. Es soll ihnen helfen, sich sicher im öffentlichen Raum zu bewegen, und stellt sich individuell auf ihren Lernprozess ein. Projektleiterin ist Prof. Dr. Gudrun Dobslaw.

Herausforderung

Für die selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe ist es wichtig, sich möglichst unabhängig im öffentlichen Raum bewegen zu können. Dies ist für Menschen mit kognitiven Einschränkungen eine große Herausforderung, so dass sie oft auf Hilfe angewiesen sind – und damit auch auf unterstützende Personen. Um sich im öffentlichen Raum sicher bewegen zu können, sind Ortskenntnisse ebenso nötig wie Orientierungsvermögen. Dieses Wissen muss nicht nur bekannt, sondern auch eigenständig nutzbar sein. Dies ist für kognitiv eingeschränkte Personen oft eine Hürde, die aber teilweise durch Training überwunden werden kann. Dabei könnte eine App unterstützen. Eine Lösung müsste aber berücksichtigen, dass unbekannte Situationen bei den Nutzerinnen und Nutzern Angst und Unsicherheit hervorrufen. Ein solches Lernsystem muss Panik oder Orientierungslosigkeit erkennen, den individuellen Lernstand der Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigen und sich diesem anpassen sowie Lernvereinbarungen mit unterstützenden Personen ermöglichen.

Ziele und Vorgehen 

Ziel des Projekts PAGAnInI ist die Entwicklung eines adaptiven Lern- und Trainingssystems, das Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung befähigt, sich möglichst selbstständig und sicher im öffentlichen Raum zu bewegen. Am Ende des Projekts soll ein funktionsfähiges und getestetes System vorliegen. Technisch müssen Schnittstellen für Nutzerinnen und Nutzer und sowie für Dienstleisterinnen und Dienstleister geschaffen werden, die über eine Notfall-Videoanruf-Funktion verbunden werden. Außerdem wird ein datenschutzkonformer Server für die Speicherung der Nutzerprofile sowie für Funktionen wie adaptive Anpassung, Lernprozess und Dokumentation aufgebaut. In die gesamte Entwicklung werden sowohl die Nutzerinnen und Nutzer als auch die Dienstleisterinnen und Dienstleister gleichberechtigt eingebunden; ein Ethikbeirat überwacht während des ganzen Projektes, dass die Belange der Zielgruppe berücksichtigt werden. Darüber hinaus soll geklärt werden, inwieweit solche Systeme in Organisationsstrukturen eingebunden werden können und wie sich eine partizipative Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung gestalten lässt.

Innovationen und Perspektiven

Das im Projekt entwickelte adaptive Lern- und Trainingssystem ist das erste System dieser Art, in dem Dienstleisterinnen und Dienstleister sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen gemeinsam und einzeln daran arbeiten, den Nutzerinnen und Nutzern zu mehr Selbständigkeit im öffentlichen Raum zu verhelfen. Das Training ist im Projekt zunächst auf den Arbeitsweg von Menschen mit kognitiven Einschränkungen im erwerbsfähigen Alter beschränkt. Im Zuge der weiteren Verwertung der Projektergebnisse könnten die Funktionen auf andere Zielgruppen erweitert werden, beispielsweise auf Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen oder mit demenzieller Erkrankung. Um eine umfassende wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen, wird die Software als Open Source bereitgestellt. Zugleich wird ein Technik-Beirat eingerichtet, der schon während der Entwicklung auf eine hohe Verwertbarkeit hinwirkt.