Digitale Anforderungsprofile (DIA)

Mit dem Projekt DIA (Digitale Anforderungsprofile) will die Fachhochschule Westküste die Personalrekrutierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) optimieren. KMU sollen in die Lage versetzt werden, Stellenanforderungen fundiert abzuleiten, um so offene Vakanzen auch ohne größere eignungsdiagnostische Kompetenz im Unternehmen passgenauer besetzen zu können. Projektleiter ist Prof. Dr. Tim Warszta.

Herausforderung

Durch die Digitalisierung verändert sich auch die Personalrekrutierung massiv. Soziale Netzwerke und lernende Algorithmen ermöglichen den Einsatz von Matching-Verfahren, um freie Stellen und Fachkräfte einander zuzuordnen. Voraussetzung für einen erfolgreichen, aussagekräftigen Matching-Prozess ist allerdings ein fundiertes Anforderungsprofil für die jeweilige Position – inklusive benötigter Kenntnisse, Fertigkeiten und Eigenschaften. Zudem bilden Anforderungsprofile die Basis für passgenaue Maßnahmen zur Weiterbildung und Personalentwicklung: Durch den Vergleich des Anforderungsprofils einer Position mit dem Fähigkeitenprofil einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters können Entwicklungspotenziale aufgedeckt werden. Obwohl Anforderungsprofile als Standardwerkzeug für die Eignungsdiagnostik gelten, werden sie in der Praxis jedoch oft noch vernachlässigt, häufig vermutlich aufgrund mangelnder Fachkenntnisse und Ressourcen insbesondere in KMU.

Ziele und Vorgehen

Im Rahmen des Projekts DIA soll ein selbstlernender Anforderungsprofilgenerator entwickelt werden, der kleine und mittlere Unternehmen sowohl bei der Auswahl neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch bei der Personalentwicklung unterstützen kann. Der Generator soll es KMU gestatten, ein wissenschaftlich fundiertes, verhaltensbasiertes Anforderungsprofil in wenigen Schritten zu entwickeln. Aus einer Datenbank können Führungskräfte relevante Faktoren wie die Aufgaben und erfolgsrelevante Verhaltensweisen für eine Position auswählen; aus diesen Angaben generiert der selbstlernende Algorithmus ein Anforderungsprofil.

Für den Generator nutzt das Projektteam einen kombinierten informationstechnischen und wirtschaftspsychologischen Ansatz. In einer Literaturrecherche werden dazu die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt. Anschließend erfolgt eine Feinbedarfsermittlung in den Pilotunternehmen, gefolgt von der empirischen Entwicklung des Kompetenzmodells in der Pilotbranche. Abschließend wird das System in den Unternehmen unter Begleitung erprobt.

Innovationen und Perspektiven

Das im Projekt zu entwickelnde Tool wirkt weit über die reine Unterstützung von Unternehmen bei der Personalgewinnung hinaus: So könnten zum Beispiel aus Langzeitdaten von Anforderungsprofilen Informationen darüber abgeleitet werden, ob und wie sich der Arbeitsmarkt verändert. Zudem kann der Generator um zusätzliche Funktionen erweitert werden, etwa um die Anforderungsprofile mit passenden Arbeitnehmerprofilen zu matchen oder um den Nutzern Instrumente zur Personalauswahl zu empfehlen. Auch Empfehlungen zu besonders gut passenden Personaldienstleistern oder zu besonders gut passenden Anbietern von Fort- und Weiterbildungen sind denkbar.

Der im Projekt zu erarbeitende Demonstrator soll zu einem Produkt ausgebaut werden, das online von KMU genutzt werden kann. Der Industriepartner Groth & Co. Bau- u. Beteiligungs GmbH & Co. KG hat im Rahmen seines Strategieprojekts Groth 2025 Personal als erfolgskritische Ressource identifiziert und treibt die Entwicklung eines innovativen Personalmanagements voran. Dabei soll der Anforderungsprofilgenerator unmittelbar zum Einsatz kommen.