Digitale Inklusion im Kontext Sozialer Angststörungen (DISA)

Im Projekt DISA (Digitale Inklusion im Kontext Sozialer Angststörungen) entwickeln die Hochschule Potsdam und der Bundesverband der Selbsthilfe Soziale Phobie gemeinsam einen technisch gestützten Kommunikationsraum, der es Personen mit sozialen Ängsten ermöglicht, über digitale Medien ihre soziale Isolation zu überwinden. Dabei wird ein Makerspace aufgebaut, in dem Betroffene gemeinschaftlich technisch innovative Anwendungen umsetzen. Projektleiterin ist Prof. Dr. Judith Ackermann.

Herausforderung

Soziale Ängste sind in der Bevölkerung weit verbreitet; sie sind nach Alkoholabhängigkeit und Depression die dritthäufigste Störung in westlichen Gesellschaften. Die Annahme, dass digitale Medien grundsätzlich soziale Teilhabe ermöglichen, wird häufig vertreten. Sie kann aber durchaus kritisch betrachtet werden, weil man digitale Medien auch gezielt nutzen kann, um Situationen zu vermeiden, die soziale Ängste hervorrufen könnten. So entsteht eine selbstgewählte soziale Isolation oder Exklusion. Diese „vermeidende“ Nutzung von digitalen Medien legt aber nahe, dass Menschen mit sozialen Störungen prinzipiell eine hohe Medienkompetenz haben. Es stellt sich die Frage, ob diese Kompetenz und das Medieninteresse nicht genutzt werden können, um Betroffene wieder stärker in die Gesellschaft einzubinden. Dazu müsste eine Umgebung geschaffen werden, bei der die digitale Nutzung automatisch zu einem sozialen Kontakt führt, der für Personen mit sozialen Ängsten annehmbar ist.

Ziele und Vorgehen

Ziel des Projektes DISA ist die Untersuchung einer breiten, heterogenen Gruppe von Menschen, die unter einer sozialen Angststörung leiden. Ihnen soll über Medien ein Gefühl der stärkeren sozialen Einbindung und Teilhabe vermittelt werden. Dazu wird eine Umgebung geschaffen, bei der digitale und physische Räume durch das gemeinschaftliche Entwickeln innovativer technischer Anwendungen gekoppelt sind. In einem Makerspace konzipieren, realisieren und testen die Beteiligten Prototypen aus Bereichen wie Augmented oder Virtual Reality, humanoider Robotik oder smarter Sensorik. Es werden ausdrücklich keine möglichen sinnvollen Lösungen vorgegeben, damit die Beteiligten im Prozess ihre Bedürfnisse selbst erkennen. Teil der Entwicklung sind Workshops, bei denen die Teilnehmer sich treffen, um den Status und das weitere Vorgehen zu diskutieren. Um die konkreten Bedürfnisse der Beteiligten zu erfassen, wird mit Interviews und Fokusgruppen gearbeitet. Deshalb werden Personendaten anonymisiert und zugriffssicher gespeichert.

Innovationen und Perspektiven

Im Projekt DISA wird erstmals ein technisch gestützter Kommunikationsraum entwickelt, der es Betroffenen mit sozialen Ängsten ermöglicht, soziale Situationen zu gestalten und zu erproben und so zu erkennen, welche Situationen als angenehm oder unangenehm erlebt werden. Eine Besonderheit des Projektes ist die systematische Einbindung von Betroffenen.

Die Erkenntnisse des Projekts werden kontinuierlich über internationale Publikationen und Präsentationen und auf wissenschaftlichen Fachkongressen in die wissenschaftliche Community verbreitet. Zusätzlich wird die Entwicklung des Makerspace über eine Projektwebseite und die Kanäle des VSSP frühzeitig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies stärkt die Breitenwirkung und ermöglicht die übergreifende Nutzung der entstanden Technik und der eingesetzten Methoden.