eHealth-Lösungen zur Förderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens von ALG-II-Leistungsbeziehern in ländlichen Räumen (eLAN)

Im Projekt eLAN (eHealth-Lösungen zur Förderungen des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens von ALG-II-Leistungsbeziehern in ländlichen Räumen) untersucht die Hochschule Furtwangen gemeinsam mit Projektpartnern das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Langzeitarbeitslosen. Daraus werden digital unterstützte Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit abgeleitet. Das Projekt läuft seit Juli 2019, die Projektleitung hat Prof. Dr. Kirsten Steinhausen inne.

Herausforderung

Langzeitarbeitslose haben wenig Geld, nehmen nur eingeschränkt am sozialen Leben teil und werden häufiger krank. An den Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit leiden meist nicht nur die Betroffenen, sondern auch im Haushalt lebende Partner und Kinder. Langzeitarbeitslosigkeit bedeutet zudem Mehrausgaben der öffentlichen Hand, höhere Kosten im Gesundheitswesen und fehlende Steuereinnahmen. Studien belegen den Zusammenhang zwischen Langzeitarbeitslosigkeit und einer höheren Rate an gesundheitlichen und psychischen Erkrankungen. In ländlichen Gegenden ist die Situation noch problematischer. Zum einen ist die Beratungspraxis durch Hausärzte anders als im städtischen Raum, zum anderen können Angebote zur Gesundheitsvorsorge aufgrund des fehlenden Geldes und wegen des oft schlecht ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes nicht wahrgenommen werden. Abhilfe könnte eine digitale Lösung schaffen, die so gestaltet ist, dass sie auch von älteren und digital unerfahrenen Personen genutzt werden kann.

Ziele und Vorgehen

Ziel des Projekts eLAN ist die Entwicklung einer maßgeschneiderten digitalen Lösung zur Gesundheitsförderung von Langzeitarbeitslosen im ländlichen Raum. Die Lösung soll die Betroffenen befähigen, ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu ändern. Das Vorhaben orientiert sich am Planungsmodell des Intervention-Mapping-Ansatzes, der iterativ eine theoriebegleitete und evidenzbasierte Entwicklung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ermöglicht. Zuerst erfolgt eine ausführliche Erhebung des Handlungsbedarfes der Zielgruppe und darauf aufbauend eine strukturierte Erstellung der Ziele. Daraus wird ein Katalog möglicher Maßnahmen abgeleitet, deren Wirksamkeit mit einer randomisierten kontrollierten Studie überprüft wird. Abschließend wird ein Verfahren entwickelt, mit dem die Maßnahmen landesweit eingeführt werden könnten. Dies wird im Rahmen von Expertenworkshops diskutiert, in die auch Vertreter der Kooperationspartner und einer Gruppe von Langzeitarbeitslosen einbezogen werden.

Innovationen und Perspektiven

Mit dem Projekt eLAN wird eine Lücke in der Forschungslandschaft geschlossen, weil die Zielgruppe in Studien zum körperlichen Gesundheitszustand bisher unterrepräsentiert ist. Mit den Handlungsempfehlungen können sowohl neue Gesundheitsförderungs- und Integrationsmaßnahmen entwickelt als auch bestehende Maßnahmen überarbeitet werden. Durch die kontrollierte randomisierte Studie liegen empirische Anhaltspunkte zur Wirksamkeit digitaler Gesundheitsmaßnahmen bei Arbeitslosen vor. Sowohl die Ergebnisse der umfangreichen Bedarfserhebung als auch die Inhalte und der Entwicklungsprozess der digitalen Lösung sollen detailliert beschrieben und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Um die Gesundheitsmaßnahme langfristig zu verankern, kann diese den verschiedenen Bildungs- und Beschäftigungsgesellschaften, Jobcentern und Krankenkassen im ländlichen und im städtischen Raum zur Verfügung gestellt werden. Diese Institutionen können zudem Aktualisierungen der digitalen Lösung vornehmen.