Entwicklung eines inklusiv-virealen (analog und digital zugänglichen) Auffang-, Schutz-, Begegnungs- und Beratungsraumes für alle Erwachsenen, die seit ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben (SHELTER)

Im Vorhaben SHELTER (Entwicklung eines inklusiv-virealen […] Auffang-, Schutz-, Begegnungs- und Beratungsraumes […]) wollen die Hochschule Mannheim und die Hochschule RheinMain zusammen mit Erwachsenen, die in ihrem Leben sexualisierte Gewalt erfahren haben, vireal-digitale Kommunikationsräume entwickeln, die leiblich-räumliche Bewältigungsleistungen in den Mittelpunkt stellen. Vireal bedeutet, dass virtuelle und reale Welten in einer digitalisierten Gesellschaft verbunden werden. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Susanne Lang und Prof. Dr. Heidrun Schulze.

Herausforderung

Sexualisierte Gewalt zu erleben ist eine traumatische (Überlebens-)Erfahrung für die meisten Betroffenen und hat Studien zufolge massive Auswirkungen auf die subjektiv empfundene Lebensqualität. Zusätzlich fehlt es oft an Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen, im privaten ebenso wie im institutionellen Umfeld. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, die Betroffenen in eine Opferrolle zu drängen und sie dadurch der Chance zu berauben, ihre Erlebnisse auf ihre Weise zu verarbeiten. Die Herausforderung im Umgang mit sexualisierter Gewalt liegt also darin, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und ihnen dennoch die Deutungshoheit über ihre Erfahrungen und ihr Leben zu überlassen.

Ziele und Vorgehen 

Im Projekt SHELTER sollen geschützte Räumlichkeiten entstehen, in denen sich erwachsene Betroffene - unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft - begegnen können und Unterstützung erhalten, indem sie Wege der Selbsthilfe gehen und die Deutungshoheit über ihre Geschichte zurückgewinnen können. Die geplanten Räumlichkeiten beinhalten unter anderem einen realen Raum, darüber hinaus aber auch virtuelle Kommunikationsräume wie Chats oder Foren sowie eine Kombination aus beidem mittels Virtual-Reality-Technologien. So bieten die virealen Räumlichkeiten den Betroffenen verschiedene Zugänge, unter denen sie diejenigen wählen können, die am besten zu ihren Bedürfnissen passen und die sie am leichtesten erreichen können. Eine solche Entwicklung von lebensweltnahen und bedürfnisorientierten Räumlichkeiten erkundet die Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer, nimmt diese Wünsche ernst und setzt sie gemeinsam mit ihnen im Rahmen partizipativer Forschung um.

Innovationen und Perspektiven 

Virtuelle Räume und VR-Technologien werden schon in Therapiesettings und Beratung eingesetzt; allerdings sind die Menschen in diesen Räumen allein unterwegs oder werden durch vorgefertigte Skripte angeleitet. SHELTER verfolgt hingegen einen Ansatz, der die Nutzerinnen und Nutzer eigenständig Handlungsstrategien erproben lässt und bei dem die soziale Interaktion mit Anderen der oft erlebten Ausgrenzung und Isolation der von Gewalt Betroffenen entgegensteht.

Von den Ergebnissen des Projekts können Fachberatungsstellen profitieren, die das Konzept übernehmen oder adaptieren. Besonders wichtig ist der gesellschaftspolitische Aspekt der Arbeiten: Dadurch, dass die Nutzerinnen und Nutzer die Deutungshoheit über ihr Leben zurückgewinnen, werden Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt auch im gesellschaftlichen Kontext sichtbarer. Dies soll zur öffentlichen Bewusstseinsbildung beitragen und einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Menschen fördern, die sexualisierte Gewalt erfahren haben.