Entwicklung eines Referenzlabors zur Bewertung von spiel- und auftretensbedingten Funktionsstörungen bei darstellenden Künstler*innen zur Ableitung einer individuellen Prävention und Rehabilitation (RefLabPerform)

Im Projekt RefLabPerform (Entwicklung eines Referenzlabors zur Bewertung von spiel- und auftretensbedingten Funktionsstörungen bei darstellenden Künstler*innen zur Ableitung einer individuellen Prävention und Rehabilitation) baut die Hochschule Osnabrück mit Partnern ein Referenzlabor für Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Künstlerinnen und Künstlern auf mit dem Ziel, eine flächendeckende Versorgung für diese Patientengruppe zu ermöglichen. Projektleiter ist Prof. Dr. Christoff Zalpour.

Herausforderung 

Viele darstellende Künstlerinnen und Künstler, etwa aus den Bereichen Musik oder Tanz, sind körperlichen Belastungen ausgesetzt, die mit denen von Hochleistungssportlern vergleichbar sind. Entsprechend haben sie mit zunehmendem Alter oft mit neuromuskulär-skelettalen Beschwerden zu kämpfen. An dieser Stelle wäre eine flächendeckende Versorgung mit spezialisierten Behandlern wünschenswert, wie es sie etwa in der Sportmedizin bereits gibt. Tatsächlich jedoch existieren bislang keine entsprechenden Therapiezentren und nur wenige Physiotherapeuten, die sich auf die Behandlung von Musikerinnen und Musikern spezialisiert haben. Dies erschwert es den Betroffenen, eine passende Therapie zu erhalten, die idealerweise auch noch heimatnah durchgeführt werden kann.

Ziele und Vorgehen 

Ziel des Projektes RefLabPerform ist die Entwicklung eines Referenzlabors, in dem neuromuskulär-skelettale Erkrankungen von Musikerinnen und Musikern beurteilt werden können. Dabei werden physiotherapeutische Befunderhebungsmethoden mit biomechanischen Bewegungsanalysen kombiniert. Der händische Befund des Physiotherapeuten wird mit der technischen biomechanischen Analyse zusammengeführt. Aus dieser kombinierten Untersuchung wird eine individuelle Behandlungsempfehlung für einen Physiotherapeuten am Wohnort der zu behandelnden Person abgeleitet.

Das Vorgehen im Projekt folgt einem agilen Entwicklungsprozess, sowohl für die händische Befundstrategie wie auch für die Entwicklung der Softwareroutinen: Erkenntnisse aus späteren Projektschritten fließen zurück in vorige Schritte, um diese zu optimieren. Für die biomechanische Analyse wird eine instrumentenspezifische Bewegungsdatenbank aufgebaut, und es werden Algorithmen entwickelt, um diese Daten zu normieren. Ziel ist es, die Daten unterschiedlicher Musikerinnen und Musiker vergleichen zu können.

Innovationen und Perspektiven 

Der Innovationscharakter des Projektes besteht in der automatisierten Zusammenführung von händischen und technischen Befunden, verbunden mit dem Aufbau der Normdatenbank für klinische und biomechanische Parameter. Zudem kann mit der Strategie, im Referenzlabor Therapievorschläge für heimatnahe, nicht spezialisierte Behandler zu erstellen, die Versorgung um ein Vielfaches verbessert werden.

Das Institut für angewandte Physiotherapie und Osteopathie, ein An-Institut der Hochschule Osnabrück, bietet seit Jahren eine funktionierende Musikersprechstunde an. Die im Projekt entwickelten Lösungsansätze können problemlos in den laufenden Betrieb integriert werden. Die Projektergebnisse lassen sich auch auf andere Zielgruppen übertragen, etwa Handwerker. Die Softwareroutinen zur automatisierten Befunderhebung können in bestehende Softwareplattformen eingebunden werden. Der Projektpartner Velamed will die Projektergebnisse für sein eigenes Angebot verwenden.