Gesund bleiben im Schichtdienst – Schlafberatung online für besonders vulnerable Zielgruppen (GeBiS)

Im Projekt GeBiS (Gesund bleiben im Schichtdienst – Schlafberatung online für besonders vulnerable Zielgruppen) entwickelt die Technische Hochschule Nürnberg eine niedrigschwellige, personalisierte Online-Schlafberatung für Personen, die besonders durch einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus gefährdet sind, um zu verhindern, dass aus einer anfänglichen Störung ein chronisches Leiden wird. Die Leitung des Projekts liegt in den Händen von Prof. Dr. Robert Lehmann und Prof. Dr. med. Kneginja Richter.

Herausforderung

Ausreichender Schlaf ist für die geistige und körperliche Gesundheit unverzichtbar. Studien belegen, dass ein großer Teil der Bevölkerung an Schlafproblemen leidet und dass die Anzahl der betroffenen Erwerbstätigen seit Jahren deutlich zunimmt. Dies gilt verstärkt für Berufstätige im Schichtdienst, und in dieser Gruppe zeigt sich, dass für Frauen und Personen mit tendenziell niedriger Bildung ein nachweisbar höheres Risiko für Schlafstörungen vorliegt. Schlafprobleme gefährden die Gesundheit der Betroffenen und bedingen, etwa durch Fehlzeiten oder Unfälle, auch hohe wirtschaftliche Folgekosten.

Gleichzeitig ist bekannt, dass Betroffene sehr oft keine oder viel zu spät medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Dies liegt daran, dass sie entweder Schlafprobleme nicht als Krankheit wahrnehmen oder sehr lange Wartezeiten in Kliniken abschreckend wirken. Eine zeitlich und örtlich flexible Behandlung mit hoher Akzeptanz könnte vermeiden, dass aus Störungen chronische Leiden werden.

Ziele und Vorgehen

Ziel des Projekts GeBiS ist eine niedrigschwellige, personalisierte Online-Schlafberatung, die besonders betroffene Zielgruppen adressiert. Dazu sollen die Faktoren und Bedingungen identifiziert werden, unter denen es Betroffenen möglich ist, eine Beratung rechtzeitig in Anspruch zu nehmen. Es wird eine Web-Oberfläche entwickelt, mit der vor und nach der Schlafsituation schnell und unkompliziert wichtige Angaben eingegeben werden können. Diese Oberfläche wird für unterschiedliche Eingabegeräte, also Smartphones, Tablets oder PC optimiert; bei ihrer Gestaltung werden normierte Verfahren genutzt, die eine hohe Nutzerorientierung gewährleisten.

Erfasst werden subjektive Daten, die auf der Selbsteinschätzung der Betroffenen beruhen. Darüber hinaus wird untersucht, inwieweit Daten von Lifestyle-Geräten (Smartwatches, Fitnessarmbänder) die Beratung objektivieren können. Dazu werden Daten dieser Geräte mit Messwerten verglichen, die mit Geräten aus der schlafmedizinischen Praxis erhoben werden.

Innovationen und Perspektiven

Die im Projekt entwickelte Online-Schlafberatung kann in Zukunft die direkte klinische Beratung durch den Arzt ergänzen und zum Teil sogar ersetzen – darüber hinaus kann sie auch die hohe Schwelle vor der Inanspruchnahme klinischer Hilfe verkleinern. Eine Anerkennung im Leistungskatalog der Krankenkassen könnte das Präventionsprogramm allen Ratsuchenden zugänglich machen.

Unternehmen können von reduzierten Arbeitsunfällen und Fehlzeiten profitieren; für Arbeitnehmer bedeutet das, dass Müdigkeit nicht mehr als privates Problem angesehen wird, sondern direkt mit den Arbeitsbedingungen verknüpft ist. Eine Integration der Online-Schlafberatung in das betriebliche Gesundheitsmanagement liegt deshalb nahe. Weil sich für Krankenkassen die Folgekosten für die Behandlung von chronischen Schlafstörungen verringern, entsteht ein insgesamt volkswirtschaftlich positiver Effekt.