Gesundheits- und Lebensorientierung für Care Leaver in komplexen Problemlagen (HtR_CaL)

Im Projekt HtR_CaL (Gesundheits- und Lebensorientierung für Care Leaver) entwickelt die Hochschule Koblenz Methoden und Trainingsmodule für junge Menschen, die in Pflegefamilien oder der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind, um ihnen einen selbstbestimmten Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen. Das seit April 2019 laufende Projekt wird von Prof. Dr. Robert Frietsch geleitet; wissenschaftlicher Projektmitarbeiter ist Dirk Holbach.

Herausforderung 

Wenn Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen werden und in Jugendhilfeeinrichtungen oder Pflegefamilien groß werden, stellt sie der Übergang zum Erwachsenenleben oft vor große Probleme. Mit Erreichen der Volljährigkeit werden sie als so genannte Care Leaver aus der öffentlichen Pflege entlassen und müssen zu einem Zeitpunkt, zu dem Kinder aus intakten Familien noch viel Rückhalt ihrer Eltern erfahren, bereits weitgehend auf eigenen Beinen stehen. Noch dazu haben viele Heim- und Pflegekinder mit schwierigen Kindheitserfahrungen und den daraus resultierenden Problemlagen zu kämpfen, da sie bisher nicht gelernt haben, adäquate Lösungen für ihre Schwierigkeiten zu entwickeln. Um jungen Menschen in dieser Lage Halt und Orientierung zu geben und sie in ein selbständiges Leben zu begleiten, braucht es spezifische Hilfeangebote und Beratungskonzepte.

Ziele und Vorgehen 

Mit dem Projekt HtR_CaL will das Institut für Forschung und Weiterbildung (IFW) der Hochschule Koblenz spezifische Hilfsangebote entwickeln und evaluieren. Ziel des Projekts ist ein „Methodenkoffer“, den Fachkräfte zur Beratung und Begleitung schon in der stationären Jugendhilfe einsetzen und dessen Einsatz sie mittels einer spezifischen Software dokumentieren und evaluieren können. Im Vordergrund der Methoden und Trainingsmodule stehen Lebensorientierung und Selbstwirksamkeitserfahrung, damit es den jungen Menschen gelingt, ihre Probleme erfolgreich zu bearbeiten und künftig ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Um die spezifischen Methoden und Instrumente zu entwickeln, analysiert das Team zunächst die bisherigen Hilfeerfahrungen und Lebenssituation der Care Leaver; die Ergebnisse dieser Querschnittsanalyse fließen dann im zweiten Schritt in die Entwicklung von standardisierten Instrumenten ein, die auf den akuten Hilfebedarf der jungen Menschen zugeschnitten sind. Diese werden an einer Probandengruppe von mindestens 80 jungen Menschen erprobt und evaluiert. Im letzten Schritt wird dann die Software entwickelt, die die erprobten Trainingsmodule beinhaltet und auch die digitale Erfassung und Auswertung des gesamten Hilfeprozesses ermöglicht.

Innovationen und Perspektiven 

Die Erkenntnisse und methodischen Schritte aus dem Praxis-Forschungsprojekt sollen nach der Erprobungsphase in einem Handbuch festgehalten und allen Hilfeeinrichtungen zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise profitiert die gesamte Jugendhilfe von dem Forschungsprojekt, denn die Einrichtungen erhalten Handreichungen für eine strukturell und methodisch verbesserte Beratung und Begleitung der Care Leaver. Dies wiederum hat gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen: Passgenaue Hilfeleistungen ermöglichen es den jungen Menschen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, so dass sie nicht mehr von Sozialleistungen abhängig sind.

Langfristig soll das Forschungsprojekt auch zu einer strukturellen und methodischen Verbesserung der Hilfemaßnahmen in der Jugendhilfe führen, da die theoretischen Erkenntnisse zu den Problemen und Bedürfnissen von Care Leavern auch auf jüngere Kinder und Jugendliche in der Beratung und Begleitung übertragen werden können.