Inklusive Entwicklung von Methoden und Technologien für digitale Hilfen zur Alltagsbewältigung in der Behinderten- und Erziehungshilfe (INTIA)

Im Projekt INTIA (Inklusive Entwicklung von Methoden und Technologien für digitale Hilfen zur Alltagsbewältigung in der Behinderten- und Erziehungshilfe) werden an der Technischen Hochschule Köln konkrete Lösungen entwickelt, die es beeinträchtigten Menschen ermöglichen, digitale Medien stärker zu nutzen. Diese Lösungen lassen sich ohne großen Aufwand von den Beteiligten aus der sozialen Arbeit umsetzen und betreiben. Projektleiterin ist Prof. Dr. Isabel Zorn.

Herausforderung 

Menschen in Einrichtungen der sozialen Arbeit sind nur in geringem Maß in die digitale Welt eingebunden, so dass ihnen viele Alltagserleichterungen verlorengehen. Dieses Manko hat verschiedene, sich verstärkende Ursachen: Fachkräfte in der sozialen Arbeit haben aufgrund ihrer Ausbildung in der Regel wenig medienpädagogische Kompetenz und Kenntnis der digitalen Möglichkeiten. Experten für digitale Lösungen kennen wiederum den spezifischen Bedarf der Zielgruppe nicht und haben keine Erfahrung in der Anpassung der Lösungen an die Besonderheiten der Zielgruppe. Hinzu kommt, dass geeignete Lösungen nur entstehen können, wenn die Betroffenen direkt in die Entwicklung eingebunden werden. Es gilt also, einen interdisziplinären Prozess zu gestalten, der die Fertigkeiten und Möglichkeiten aller Gruppen optimal zusammenführt.

Ziele und Vorgehen 

Ziel des Projekts INTIA ist ein Alltagslabor, das Komponenten nach dem Baukastenprinzip bereitstellt. Damit ist es Betroffenen und Betreuern einfach möglich, angepasste digitale Lösungen umzusetzen. Aus diesem Alltagslabor resultiert ein mobiler Laborkoffer, der die Komponenten in verschiedenen Einrichtungen regional und überregional nutzbar macht. Der Fokus liegt darauf, inklusive Gestaltungsprozesse zu entwickeln und zu erschaffen. Zunächst bestimmen dazu Klienten und Fachkräfte aus Wohneinrichtungen der Jugendhilfe den Bedarf und die Lösungsvision einer möglichen Komponente. Dann werden Experten, etwa aus der Informatik oder dem Service Design, in einem iterativen Prozess in die endgültige Gestaltung eines Prototypen eingebunden. Beim Entwickeln der Hard- und Softwarebausteine werden explizit vorhandene Lösungen genutzt. Ausgereifte Open-Source-Lösungen dienen als Basis, eine umfassende, zielgruppenangepasste Bedienschicht existiert noch nicht und wird innerhalb des Projektes geschaffen.

Innovationen und Perspektiven 

Die Innovation des Projektes INTIA liegt in der inklusiven Entwicklungsmethode, die auf den konkreten Bedarf von Zielgruppe und Fachkräften aus der sozialen Arbeit fokussiert ist und sie partizipativ am Entwicklungsprozess teilhaben lässt. Aufgrund des Baukastenprinzips sinkt zum einen bei den Beteiligten die Schwelle, die digitale Teilhabe selbstbestimmt zu gestalten. Auf der anderen Seite macht es individuelle Lösungen möglich, die die sehr unterschiedlichen Fertigkeiten und Wünsche berücksichtigen.

Die im Projekt entwickelten Lösungen werden in einer geplanten virtuellen Community-Plattform der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt; unter der jeweils geeigneten Lizenz sind sie frei nutzbar und können weiterentwickelt werden. Kooperationspartner aus der Jugend- und Behindertenhilfe wollen das Konzept der mobilen Alltagslabore übernehmen und zur Weiterbildung der Fachkräfte nutzen.