Interaktive Smartphone-App-Intervention in Substitutionsbehandlungen (Checkpoint-S)

Im Projekt Checkpoint-S (Interaktive Smartphone-App-Intervention in Substitutionsbehandlungen) untersucht die Hochschule Merseburg, ob und wie eine interaktive Smartphone-App bei der Bewältigung und Behandlung von Suchtkranken helfen kann. Geleitet wird das Projekt von Prof. Gundula Barsch.

Herausforderung

Eine chronische Erkrankung macht es Menschen oft sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialleben Fuß zu fassen; sie fühlen sich an vielen Stellen benachteiligt und haben neben ihrer Erkrankung auch noch mit Vorurteilen zu kämpfen. Noch schwieriger ist die Situation für Suchtkranke: Sie rutschen oft vollständig durch das soziale Raster und leiden unter Stigmatisierung und Ablehnung. Zugleich verursachen chronische Krankheiten und Suchterkrankungen hohe Kosten im Gesundheitssystem, da sie eine langwierige oder sogar dauerhafte Behandlung erfordern. Auch die „Compliance“, die Bereitschaft der Patienten, aktiv an ihrer Behandlung mitzuarbeiten, stellt Ärzte und Gesundheitsdienste mitunter vor Herausforderungen. Die Kranken wiederum wünschen sich in ihrer Therapie oft mehr Selbstbestimmung und Teilhabe anstatt einer Behandlung „von oben herab“.

Ziele und Vorgehen

Im Projekt Checkpoint-S soll ausgelotet werden, inwieweit digitale Techniken bei der Behandlung chronisch kranker, insbesondere opiatabhängiger Menschen helfen können. Dafür entwickelt das Projektteam eine Smartphone-App mit verschiedenen Funktionsbereichen und Add-Ons, die auf die Bedürfnisse der Nutzer im Rahmen einer Substitutionsbehandlung eingeht. Die Einführung der App wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um direkt Lösungen für Widerstände und Konflikte erarbeiten zu können. Die App soll eine verstärkte Mitwirkung der Patienten an der Behandlung bewirken, sie dazu bewegen, für ihre Therapie Verantwortung zu übernehmen, und ihre Beziehung zum Arzt verbessern. Möglichst noch vor Ende des Projekts will das Team die App kostenlos im deutschsprachigen Raum verfügbar machen.

Innovationen und Perspektiven

Durch die wissenschaftliche Begleitung liefert das Projekt wertvolle Hinweise für die Einführung und Einbindung von digitalen Tools in eine Behandlung: So entsteht ein methodisches Handwerkzeug in Form von Anleitungen und Methoden für solche Fälle, das auch vielen weiteren Projekten im Bereich digitales Coaching und e-Health Vorschub leisten könnte. Durch umfangreiches Informationsmaterial (digitales Tutorial, Handbuch) soll die App auch von nicht in das Projekt involvierten Interessentinnen und Interessenten eigenständig angewendet werden können. Checkpoint-S ist zudem als Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Prozess des Empowerments von Patientinnen und Patienten angelegt und soll ihnen mehr Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen.