Präventionsmaßnahmen und Wissenstransfer innerhalb der Sozialen Arbeit bezüglich riskanten Substanzkonsums für Menschen mit Fluchterfahrungen in Übergangswohnheimen (PraeWi)

Im Projekt PraeWi (Präventionsmaßnahmen und Wissenstransfer innerhalb der Sozialen Arbeit bezüglich riskanten Substanzkonsums für Menschen mit Fluchterfahrung in Übergangswohnheimen) entwickelt, erprobt und bewertet die Hochschule Esslingen zusammen mit dem Sozialamt  und dem  Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Stuttgart als Kooperationspartner Maßnahmen zur Suchtprävention bei Geflüchteten. Diese sollen bundesweit verbreitet werden. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Marion Laging.

Herausforderung

Deutschland ist eines der zuwanderungsstärksten Länder der Welt; es ist im Moment nicht damit zu rechnen, dass der Zustrom Schutzsuchender abbrechen wird. Die Situationen bei der Flucht, bei der Ankunft und in den Gemeinschaftsunterkünften sind meist mit erheblichen Belastungen verbunden. Der Versuch, diese Belastungen zu bewältigen, führt oft zum Konsum riskanter Substanzen. Auch wenn noch keine belastbaren Daten vorliegen, gibt es Übersichtsarbeiten, die zeigen, dass dieser Konsum und Suchterkrankungen zu den größten gesundheitlichen Problemen von Migranten gehören. Viele der Geflüchteten sind allein reisende junge Männer, für die sich dabei eine besondere Gefährdungslage abzeichnet. Beim Entwickeln von Präventionsmaßnahmen gilt es zwei Dinge zu beachten: eine wirksame Prävention muss möglichst in den ersten Wochen nach der Ankunft in den Unterkünften einsetzen, und die Maßnahmen müssen auf die subjektive Wahrnehmung der Situation durch die Zielgruppe ausgerichtet sein.

Ziele und Vorgehen

Ziel des Projekts PraeWi sind Angebote zur Suchtprävention, die auf die Situation von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften zugeschnitten sind. Damit dies gelingt, werden die relevanten Beteiligten des Umfelds Flüchtlingsunterkunft in allen Projektphasen einbezogen – dies sind beispielsweise Flüchtlinge, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialdienste, ehrenamtlich Tätige, aber auch Träger oder Betreiber und Beschäftigte der Unterkünfte. Zuerst wird eine umfassende Bedarfs- und Ressourcenanalyse durchgeführt. Darauf aufbauend erarbeiten alle Beteiligten partizipativ ein Multi-Komponenten-Präventionskonzept, das eine Vielzahl von Maßnahmen bündelt. Die Maßnahmen werden in einer Pilotunterkunft eingeführt, erprobt und bewertet. Bei Bedarf werden sowohl die Maßnahmen als auch das Präventionskonzept angepasst. Zur Verbreitung der Ergebnisse wird ein interaktives Content Management System entwickelt, das einen bundesweiten Wissenstransfer zwischen allen beteiligten Akteuren ermöglicht.

Innovationen und Perspektiven

Die Innovation des Projektes liegt zum einen in dem konsequent partizipativen Ansatz, mit dem die Maßnahmen entwickelt werden. Zum anderen werden bekannte fachliche Prinzipien der Zielgruppenorientierung eingesetzt, die jedoch bislang noch nie auf das Umfeld Flüchtlingsunterkunft angewendet und dafür ausgestaltet wurden. Die Projektpartner gehen davon aus, dass Geflüchtete befähigt werden, informiert, selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu handeln. Dadurch können gesundheitsförderliche Lebenswelten geschaffen und Risikofaktoren für Suchtprobleme minimiert werden.

Die Ergebnisse werden nicht nur über das Content Management System verbreitet; geplant ist auch eine Abschlussveranstaltung für einen fachwissenschaftlichen, nationalen und internationalen Adressatenkreis. Darüber hinaus ist die Übertragung der Ergebnisse auf andere Zielgruppen und über die Grenzen Deutschlands hinaus denkbar.