Smart Inklusion für Wohnungslose (SiWo)

Im Projekt SiWo (Smart Inklusion für Wohnungslose) entwickelt die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm zusammen mit Projektpartnern mobile Hilfs- und Beratungsangebote für wohnungslose Menschen. Das Angebot soll zunächst auf internetaffine Zielgruppen zugeschnitten und dann für alle Wohnungslosen weiterentwickelt werden. Das Projekt ist im August 2019 gestartet und wird von Prof. Dr. Frank Sowa geleitet.

Herausforderung

Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) gibt es in Deutschland über 675.000 Wohnungslose, Tendenz steigend. Wohnungslose sind laut BAGW Personen ohne jegliche Unterkunft, aber beispielsweise auch Personen, die in Behelfs- oder Notunterkünften leben. Ursache ist in den meisten Fällen eine prekäre finanzielle Lage. Die Wohnungslosigkeit führt zu einem weitgehenden Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben. Unterstützung gibt es oft nicht, weil Hilfseinrichtungen aufgrund der großen Anzahl der Betroffenen überlastet sind. Es stellt sich deshalb die Frage, ob sich mit mobilen, internetbasierten Hilfsangeboten Inklusionseffekte und Teilhabemöglichkeiten erzielen lassen. Dies gilt besonders, wenn das Angebot auf internetaffine Zielgruppen abzielt. Gemeint sind junge Wohnungslose unter 29 Jahre – inzwischen rund ein Drittel aller Wohnungslosen – und Menschen aus Osteuropa, die mit einem Smartphone den Kontakt zur Herkunftsgesellschaft aufrechterhalten.

Ziele und Vorgehen

Im Rahmen des Projektes SiWo untersuchen die Projektpartner, welchen Bedarf wohnungslose Menschen an Unterstützung durch mobile Angebote haben. Die Untersuchung findet in der Großstadt Nürnberg statt und zielt im ersten Schritt auf die Zielgruppen junge Wohnungslose und Menschen aus Osteuropa ab. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Softwareengineering, Informatik und Energietechnik werden aus den Ergebnissen der sozialwissenschaftlichen Untersuchung Anforderungen abgeleitet und direkt in prototypische Lösungen überführt, sowohl digital als auch im öffentlichen Raum. Diese Lösungen werden dann mit Hilfe von Zielgruppenangehörigen und Praxispartnern auf ihre Wirksamkeit geprüft und iterativ verbessert. Im Verlauf des Projektes ist es vorgesehen, die Zielgruppen zu erweitern und allen wohnungslosen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu den entstehenden Hilfsangeboten zu ermöglichen. Um die Interessen der Zielgruppe sicherzustellen, begleitet ein Ethikrat während der Projektlaufzeit das Vorhaben.

Innovationen und Perspektiven

Das Projekt SiWo trägt zur Inklusion der in besonderer Weise gesellschaftlich ausgeschlossenen Zielgruppe der Wohnungslosen bei. Bei Erfolg verhindert es, dass Wohnungslosigkeit in der Zielgruppe zu einem chronischen Zustand wird. Die erarbeiteten Lösungen sollen so gestaltet werden, dass sie auf andere Zielgruppen, Themen oder Standorte übertragen werden können. Die Mitwirkenden aus der Zielgruppe erwerben Kompetenzen und vernetzten sich – dies können sie gegebenenfalls nutzen, um wieder Einkommen zu erwerben.

Die Projektergebnisse werden über wissenschaftliche Beiträge auf deutschsprachigen und internationalen Kongressen und über Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Rahmen des jährlichen stattfindenden Fachforums Onlineberatung können Zwischenergebnisse der Fachöffentlichkeit vorgestellt werden.