Wildsammlungen von Pflanzen und ihre ökonomi-sche Bedeutung für den Medizin- und Gesund-heitssektor (PharmaPlants)

Im Projekt PharmaPlants (Wildsammlungen von Pflanzen und ihre ökonomische Bedeutung für den Medizin- und Gesundheitssektor) untersucht die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg zusammen mit Wirtschaftspartnern Pflanzen aus Wildsammlungen für die Medizin- und Kosmetikbranche. Ermittelt und analysiert werden soll das Vorkommen der Wildpflanzen, aber auch ihre Marktrelevanz und die Wertschöpfungsketten bei der Verarbeitung. Projektleiter ist Prof. Dr. Rainer Luick.

Herausforderung 

Bereits seit Jahrtausenden und über alle Kulturen hinweg werden Pflanzen oder Pflanzenteile als Heilmittel genutzt. Rund ein Viertel aller derzeit weltweit bekannten Pflanzenarten ist medizinisch relevant. Pflanzen, Pflanzenteile und daraus gewonnene Produkte, die als Arzneimittel gehandelt werden, werden als Phytopharmaka bezeichnet. Sie haben für Deutschland auch wirtschaftlich eine große Bedeutung. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland beim Import an vierter, beim Export sogar an dritter Stelle. Dennoch gibt es bei Pflanzen aus Wildsammlungen verschiedene Probleme: Auf der einen Seite steigt der Bedarf, auf der anderen Seite nehmen die Lebensräume von Wildpflanzen drastisch ab. Für den Anbau wirtschaftlich relevanter Wildpflanzen gibt es bislang keine ökonomischen Lösungen. Wie die Situation tatsächlich ist, kann aber nur schwer eingeschätzt werden, weil die Datenlage äußerst lückenhaft ist. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten liegen nicht vor; Netzwerke in der Phytopharmakabranche gibt es nicht.

Ziele und Vorgehen 

Mit dem Projekt PharmaPlants sollen wichtige Grundlagendaten für die Branchen Phytopharmaka und Naturkosmetik analysiert und bereitgestellt werden. Mit diesen Daten sollen die Unternehmen dieser Branchen in die Lage versetzt werden, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen und Unternehmensstrategien zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, werden zunächst Wildpflanzen in wichtigen europäischen Herkunfts- und Sammelländern identifiziert und ihr Vorkommen und ihre Verbreitung ermittelt. Für ausgewählte Pflanzen wird zunächst die Marktrelevanz von Wildsammlungen analysiert und dargestellt. In einem weiteren Schritt werden dann beispielhafte Wertschöpfungsketten zur Nutzung von Wildpflanzenressourcen für pharmazeutische oder kosmetische Produkte charakterisiert. In dem Projekt sollen auch zusätzliche Informationen zum heilpflanzlichen Einsatz der Pflanzen gewonnen und Probleme auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette identifiziert werden.

Innovationen und Perspektiven 

Mit dem Projekt PharmaPlants werden wichtige Daten über Pflanzen aus Wildsammlungen für die Branchen Phytopharmaka und Naturkosmetik ermittelt, analysiert und bereitgestellt. Diese Informationen sind für die Zukunftssicherung der betroffenen Unternehmen von sehr hoher Bedeutung, weil selbst große Unternehmen oft nicht in Lage sind, diese Daten selbst zu ermitteln und aufzubereiten. Damit kann das Projekt sowohl zur Ressourcenoptimierung und zum Naturschutz beitragen als auch zu einer nachhaltigen Unternehmensführung durch eine optimierte Wertschöpfung. Die Ergebnisse sollen über Fachveranstaltungen und Workshops der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die beteiligten Wirtschaftspartner verstehen sich nicht als exklusiver Kreis, sondern sind offen für weitere Unternehmen. Deshalb besteht die Hoffnung, dass sich nach Projektende Unternehmenscluster etablieren, die dem offenen Austausch von Informationen zum nachhaltigen Bewirtschaften von pflanzlichen Ressourcen dienen.